Bodenschutz

Seit Inkrafttreten der Bodenschutzgesetze in den Jahren 1999 und 2000 ist der Kreis Lippe auch zuständige Bodenschutzbehörde. Neben Regelungen zum allgemeinen Bodenschutz ist die Auseinandersetzung mit den Altlasten eine der Hauptaufgaben.

 

Altlasten

Folgen der industriellen Entwicklung und des wirtschaftlichen Aufschwunges nach dem 2. Weltkrieg sind nicht nur bessere Lebensverhältnisse und gestiegener Wohlstand, sondern auch Erbschafen wie belastete Industriestandorte und ungesicherte Müllablagerungen. Der jahrzentelange leichtfertige Umgang mit Ölen, Lösungsmitteln und sonstigen Chemikalien sowie die ex und hopp Mentalität der Wegwerfgesellschaft haben Altlasten entstehen lassen. Diese bedeuten eine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Hinzu kommen ehemals kriegsbedingte oder durch Rüstungsbetriebe hervorgerufene Kontaminationen des Bodens und des Grundwassers. Entspannungspolitik und Wiedervereinigung sowie die damit verbundene Truppenreduzierung haben uns auch belastete Truppenübungsplätze und Kasernen hinterlassen.

Für eine Vielzahl dieser Altlasten wird eine Sanierung erforderlich. Im Vordergrund stehen hier sicherlich ökologische Gründe. In den Ballungsgebieten werden diese brachliegenden Areale aber auch für neue Ansiedlungen benötigt. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt der s.g. Flächenreaktivierung - Beschaffung von Arbeit und Bereitstellung von dauerhaften Arbeitsplätzen - reduzieren sich durch die Wiedernutzung Ansiedlungen auf der "grünen Wiese". Der Verbrauch von Landschaft und die damit verbundenen Folgen - Wäldern und Hecken werden abgeholzt sowie Böden werden versiegelt - können somit durch eine gezielte Sanierung von Altstandorten herabgesetzt werden.

 

Bodenschutz

Der Bodenschutz befasst sich mit Fragen der stofflichen Belastung von Böden, der Bodenversiegelung/-entsiegelung sowie der Bodenerosion/-verdichtung. Zu unterscheiden sind die Nachsorge (Sanierung, Nutzungsbeschränkungen) bei vorhandenen Belastungen von der Vorsorge gegenüber zukünftigen Einwirkungen. Ziel ist der Schutz von Bodenfunktionen. Große Bedeutung hat auch die Verbesserung des Bodenbewusstseins. Beim Umgang mit vorhandenen stofflichen Belastungen besteht ein enger Zusammenhang zum Bereich Altlasten. Die rechtlichen Vorgaben zum Bodenschutz ergeben sich aus dem Bundes-Bodenschutzgesetz mit der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung sowie aus dem Landes-Bodenschutzgesetz.

 

Stoffliche Bodenbelastung

Stoffliche Belastungen von Böden resultieren insbesondere aus Anreicherungen von Schwermetallen und persistenten organischen Schadstoffen. In NRW ist - neben punktuellen Altlasten - insbesondere in immissiosbelasteten Bereichen der Ballungsgebiete, in ehemaligen Erzabbaugebieten und teilweise in Überschwemmungsgebieten mit dem Vorliegen von Bodenbelastungen aufgrund erhöhter Schadstoffgehalte zu rechnen. Daneben führen Einträge von Säurebildnern (Schwefel- und Stickstoffverbindungen) zu Bodenversauerungen, vor allem bei Waldböden. Zur Untersuchung und Beurteilung vorhandener stofflicher Bodenbelastungen enthält die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) detaillierte Vorgaben mit Analysenverfahren, Prüf- und Maßnahmenwerten. Als Grundlage für vorsorgeorientierte Maßnahmen zur Begrenzung schädlicher Stoffeinträge auf verschiedenen Eintragspfaden und beim Auf- und Einbringen von Materialien sind Vorsorgewerte und zulässige Frachten festgelegt.

 

Bodenver/-entsiegelung

Die Begrenzung der Bodenversiegelung ist das wichtigste Ziel zum Schutz der Bodenfunktionen und zur Erhaltung naturnaher Flächen. Notwendig ist hierzu eine Minimierung der Flächeninanspruchnahme auf das unumgänglich notwendige Maß und die Flächenreaktivierung nicht mehr genutzter überbauter Flächen. Diese Ziele müssen auf allen Planungsebenen und bei allen bodenrelevanten Genehmigungsverfahren Berücksichtigung finden. Die Entsiegelung von Böden mit befestigten Flächen, die für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr benötigt werden, ist gesetzlich geregelt. Soweit nicht andere Ziele (z.B. Versiegelung kontaminierter Bodenschichten) entgegenstehen, kann damit eine teilweise Wiederherstellung von Bodenfunktionen erreicht werden.

 

Bodenerosion/-verdichtung

Insbesondere in ackerbaulich genutzten Regionen am Rande der Mittelgebirge tritt Bodenerosion durch Wasser - oft verbunden mit einer Verschlämmungsneigung der Böden - auf. Das Land NRW unterstützt durch landwirtschaftliche Förderprogramme geeignete Minderungsmaßnahmen wie Mulch- und Direktsaatverfahren oder die Anlage von Filterstreifen. In besonderen Fällen sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu ergreifen. Bodenverdichtungen resultieren aus unsachgemäßem Einsatz schwerer Geräte bei Baumaßnahmen oder in der Land- und Forstwirtschaft. Da insbesondere Unterbodenverdichtungen zu irreversiblen Schäden führen können, sind gerade in diesem Bereich Vorsorgemaßnahmen durch Verringerung der Radlasten und die Vermeidung der Bodenbearbeitung in zu nassem Zustand notwendig.

 

Gute fachliche Praxis

Die Beratung zur "Guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft" ist in § 17 Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) verankert. Sie wird in Nordrhein-Westfalen durch die Staatlichen Umweltämter und den Direktor der Landwirtschaftskammer gemeinsam wahrgenommen. Von den im BBodSchG verankerten Grundsätzen der Guten fachlichen Praxis haben die Minimierung der Bodenerosion und die Vermeidung von Bodenverdichtungen einen besonders hohen Stellenwert.

 

Bodenbelastungskarte im Kreis Lippe

Digitale Bodenbelastungskarten (BBK) ermöglichen eine flächenbezogene Darstellung der stofflichen Bodenbelastung und damit die Ermittlung und Abgrenzung von Verdachtsflächen auf schädliche Bodenveränderungen. Informationen über Bodeneigenschaften werden in Bodenkarten dargestellt.

Die Bodenbelastungskarte finden Sie hier.

 

Hinweise

Jeder, der Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast oder schädlichen Bodenveränderung erlangt, ist verpflichtet, unverzüglich dieses dem Kreis Lippe zu melden.

Vor dem Kauf eines Grundstücks oder Immobilie sollte eine Auskunft aus dem Altlastenflächenkataster eingeholt werden.