Fachforum Inklusion - Was sich in der Jugendhilfe
ändern muss
Warum ist ein Gesellschafts- und Bildungssystem wichtig, dass
allen Menschen Platz bietet? Und wie sieht dieser Ansatz in
der Praxis aus? Diese Fragestellungen standen im Mittelpunkt
des Fachforums "Inklusion und Jugendhilfe", dass jetzt im
Detmolder Kreishaus stattfand. Der Kreis Lippe hatte
eingeladen, um mit hochkarätigen Referenten über
Inklusion und Jugendhilfe zu diskutieren. Über 260
Teilnehmer aus ganz Ostwestfalen-Lippe verdeutlichten das
große Interesse an dem Themenfeld.
Der Fachbegriff Inklusion hat seinen Ursprung in der
lateinischen Sprache und lässt sich mit "Einschluss"
übersetzen. Eine Konvention der Vereinten Nationen
fordert einen Einschluss aller Menschen nicht nur im
Bereich der Bildung, sondern in allen Lebensbereichen.
Weiter sieht die Konvention einen Abbau von Vorurteilen und
die Förderung der Würde von Menschen mit
Behinderungen vor. Diesen Gedanken nahm Hans Meyer vom
Landesjugendamt in seinen Vortrag auf. "Die Inklusion
beginnt in den Köpfen", so Meyer, der eine Kinder- und
Jugendhilfe fordert, die ihre Verantwortung für
Menschen mit Behinderungen erkennt und den
Unterstützungsbedarf mit den alterstypischen
Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen koppelt. Als
weiterer Referent wies Prof. Dr. Dr. Reinhard Wiesner,
Ministerialrat a.D. im Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend, auf die Schwierigkeit hin
zwischen geistigen und seelischen Behinderungen zu
unterscheiden. Dadurch entstehe eine selektive Wahrnehmung
und kein ganzheitlicher Blick auf die Kinder und
Jugendlichen. "Man ist nicht behindert, man wird
behindert", beschrieb Wiesner zudem eine
grundsätzliche Problematik. Er sieht den Ansatz in der
großen Lösung, die eine Alleinzuständigkeit
der Jugendhilfe für Kinder mit und ohne Behinderungen
vorsieht und dadurch die Chancen auf Integration und
gemeinsames Lernen und Leben steigert. Wie sich dieser
Gedanke in der Praxis umsetzen lässt wurde an einem
Beispiel aus Lippe demonstriert. Elke Schlepphorst,
Leiterin der Kita "Spatzennest" in Asemissen und
Schulleiterin Simone Kropp stellten die Kooperation
zwischen integrativer Kita und Grundschule vor. Wie wichtig
in diesem Zusammenhang die Qualifizierung von Lehrern und
Erziehern ist unterstrich Werner Kropp, Leiter des
Kompetenzzentrums für sonderpädagogische
Förderung in Ennigerloh. "Wir brauchen eine
nachhaltige Vernetzung zwischen den pädagogischen und
medizinischen Akteuren und Institutionen vor Ort", stellte
Kropp außerdem fest.
Am Ende der Veranstaltung konnte Karl-Eitel John,
Fachbereichsleiter Jugend, Familie und Zukunftsaufgaben
beim Kreis Lippe, auf eine interessante und konstruktive
Veranstaltung zurück blicken. Gleichzeitig stellte
John fest: "Der Prozess der Inklusion ist noch ein weiter
Weg, aber das Fachforum war ein guter Schritt."
BUZ: Rückten die Themen Inklusion und Jugendhilfe in
den Mittelpunkt (von links): Karl-Eitel John, Annemarie
Loke, Simone Kropp (Grundschule Asemissen), Elke
Schlepphorst (Kita Spatzennest), Werner Kropp
(Kompetenzzentrum für sonderpädagogische
Förderung), Prof. Dr. Dr. Gerhard Wiesner, Hans Meyer
(Landesjugendamt)