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Reichtum durch Vielfalt - Lüttfeld-Berufskolleg und Astrid-Lindgren-Schule auf dem Weg zur Inklusion




Not macht erfinderisch oder anders ausgedrückt: Aus der Not eine Tugend machen. Das haben sich seit einigen Wochen auch das Lüttfeld-Berufskolleg (LBK), die Astrid-Lindgren-Schule und der Eigenbetrieb Schulen des Kreises Lippe (EBS) auf ihre Fahnen geschrieben. Um den Standort der Kreisförderschule in Lemgo-Leese zu entlasten, sind die Schüler einmal wöchentlich zu Gast am LBK. Doch nicht nur die Platzfrage spielte bei dieser Kooperation eine Rolle. Beide Schulen möchten das Thema "Inklusion" weiter vorantreiben und im Schulalltag voneinander lernen.

207 Schüler mit besonderem Förderbedarf besuchen derzeit die Astrid-Lindgren-Schule. Ausgelegt sind die Räumlichkeiten für maximal 170 Schüler. Ein Konzept zur baulichen Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der pädagogischen Anforderungen wird derzeit erarbeitet. Bis zur Umsetzung galt es jedoch eine Zwischenlösung zu finden, die den Standort in Leese   kurzfristige und zugleich pädagogisch wertvolle Entlastung bringt. Eine davon ist die Kooperation mit dem LBK. "Seit Oktober lernen hier jeden Donnerstag insgesamt drei Klassen mit je zehn Schülern in den Bereichen Hauswirtschaft und Holztechnik", berichtet Werner Giebel, Schulleiter der Förderschule. Sein Schulleiter-Kollege Manfred Kreisel vom LBK sieht einen großen Vorteil in der jetzigen Lösung: "Unser Berufskolleg wird zu einem Raum der Begegnung, in dem alle Schüler im Schulalltag voneinander lernen können. Die Schüler mit Handicap verlassen ihren Schutzraum und bereiten sich so auf den Alltag vor. Die Berufskollegschüler erleben eine menschliche Vielfalt, die sie so nicht jeden Tag erleben". Auch Lehrkräfte profitierten, so z.B. von der Kompetenz der Sonderpädagogen im Bereich Diagnostik und Didaktik, ist sich Kreisel sicher.

Landrat Heuwinkel freut sich ebenfalls über die Kooperation der beiden Kreisschulen und hebt einen wichtigen Punkt hervor: "Im Rahmen der kreisweiten Schulentwicklungsplanung moderiert und unterstützt der Kreis Lippe den Inklusionsprozess. Die Astrid-Lindgren-Schule und das Lüttfeld-Berufs­kolleg gehen an dieser Stelle einen wichtigen Schritt in Richtung Inklusion". Er weist darauf hin, dass Inklusion nicht die Schüler den Bedingungen der Schule anpassen will, sondern die Rahmenbedingungen an den Bedürfnissen und Besonderheiten der Schüler ausgerichtet werden. 

Nach rund zwei Monaten fällt das Fazit aller Beteiligten positiv aus: "Der Weg zur Inklusion ist unumkehrbar und wir werden gemeinsam weitere Möglichkeiten der Kooperation suchen und finden", ist Klaus Kuhlmann, Leiter des EBS zu­versichtlich. So werde z.B. auch die Auslagerung der kompletten Berufspraxisstufe der Astrid-Lindgren-Schule an die Bildungs- und Forschungsmeile in Lemgo-Lüttfeld mit geprüft.

BUZ: Fühlen sich wohl am Lüttfeld-Berufskolleg: Die Schülerinnen und Schüler der Astrid-Lindgren-Schule möchten sich mit ihren neuen Schürzen am liebsten gleich an die Arbeit machen.