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Neu nutzen statt neu bauen - Studie zu Gewerbebrachen im ländlichen Raum



Was tun mit Industrie- und Gewerbebrachen im ländlichen Raum? Eine Machbarkeitsstudie des Kreises Lippe zur Wiedernutzbarmachung am Beispiel des östlichen Kreisgebietes soll Aufschluss darüber geben.

"In dem eigentlich ländlich geprägten östlichen und nördlichen Kreisgebiet hat in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der großflächigeren Industrie- und Gewerbebrachen zugenommen", weiß Heinz Jastrow, Raumplaner beim Kreis Lippe. Viele der Immobilien wurden in den 50er bis 70er Jahren für die Holzverarbeitung und Möbelproduktion errichtet. Zum Zeitpunkt der Betriebsaufgaben war zunächst der Verlust von teilweise mehreren hundert Arbeitsplätzen eine schwere wirtschaftliche Belastung für die betroffenen Kommunen und deren Einwohner. "Nach mehrjährigem Leerstand der Immobilien entstehen jedoch nun verstärkt von Verfall geprägte Grundstückssituationen, die zunehmend  zu einer weiteren Beeinträchtigung für das nähere Umfeld und die Region werden", betont Jastrow. Im Rahmen der Kreisentwicklungsplanung und gefördert durch die regionale Wirtschaftsförderung des Landes NRW hat der Kreis daher eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen, wie derartige langjährige Gewerbebrachen wieder nutzbar gemacht werden können. Die Ergebnisse wurden in der letzten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Beteiligungen des Kreises vorgestellt. Aus Sicht des Kreises und der beauftragten Gutachter wird ein Grund für die sich abzeichnenden Bevölkerungsverluste in der Region das fehlende Angebot an Arbeitsplätzen sein. "Es sollten hier alle Möglichkeiten, die zum Erhalt und zur Ansiedlung von Arbeitsplätzen beitragen können, genutzt werden", unterstreicht der Raumplaner. In der Studie werden daher zunächst beispielhaft Gewerbebrachen an sieben Standorten in Nord-Ostlippe auf ihren Standort sowie auf ihre städtebaulichen und hochbaulichen Qualitäten für eine Neunutzung hin überprüft. Nahezu allen Standorten werden in diesem Zuge gute Voraussetzungen für gewerbliche Neunutzungen attestiert.

Die häufig gut erschlossenen Brachengelände werden zukünftig an Bedeutung als Angebotsflächen im Rahmen der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderung gewinnen, da Neuausweisungen auf der "grünen Wiese" unter Berücksichtigung der allgemein vertretenen Forderungen nach "Nachhaltigkeit" und "Freiraumschonung" kaum noch zu realisieren sein werden. Die Studie kommt aufgrund ihrer Recherchen zu der Schlussfolgerung, dass die wesentlichen Hemmnisse für die Reaktivierung vieler älterer Brachenflächen im bestehenden Desinteresse der häufig nicht ortsansässigen Eigentümer oder in dem von den jetzigen Eigentümern kaum zu leistenden hohen fachlichen und finanziellen Aufwand für eine Vermarktung liegen. Außerdem empfiehlt die Studie, insbesondere im ländlichen Raum die Vermarktung von derartigen Brachenstandorten interkommunal, also auf regionaler Ebene mit einem zentralen Ansprechpartner vorzunehmen. Sie sieht es als erforderlich an, dass Maßnahmen zur Wiedernutzbarmachung auch als förderfähig in den bestehenden öffentlichen Förderprogrammen anerkannt werden. Der Kreis Lippe erhofft sich wichtige Impulse sowohl für die an der Erarbeitung beteiligten Kommunen als auch für die Eigentümer der beispielhaft betrachteten Brachen Die Ergebnisse der Studie sollen darüber hinaus Grundlage für Gespräche mit den für die Maßnahmenförderung zuständigen Dienststellen des Landes NRW im Hinblick auf die zukünftige Einbeziehung in Förderprogramme sein.