Hackfleisch ist nicht gleich Hackfleisch - Kennzeichnung
von aufgetauter Ware keine Pflicht
Der Kreis Lippe bedauert es, keine Information für
Verbraucher verlangen zu können, wenn Hackfleisch ganz
oder überwiegend aus gefrorenem bzw. aufgetautem
Fleisch hergestellt worden ist. Im April musste der Kreis
eine entsprechende Anordnung zurücknehmen, die die
Lebensmittelüberwachung zuvor in einer
Fleischabteilung eines Supermarktes verfügt hatte.
Dort war Hackfleisch, das sowohl verpackt als auch
unverpackt angeboten wird, aus gefrorenem oder wieder
aufgetautem Fleisch hergestellt worden. Dies ist aus Sicht
der Lebensmittelüberwachung zumindest für den
handwerklichen Bereich eine unübliche Praxis. "Sie
kann einen nachteiligen Einfluss auf die Qualität des
Fleisches haben, insbesondere dann, wenn das Hackfleisch zu
Hause noch einmal eingefroren werden soll", erklärt
Annette Neuhaus, Lebensmittelchemikerin beim Kreis Lippe.
Deshalb hatte die Lebensmittelüberwachung den Hinweis
"aufgetaut" verlangt, um Verbraucher zu informieren. Ein
solcher Hinweis wurde jedoch vom Verwaltungsgericht Minden
als missverständlich und irreführend angesehen,
weil nicht das Hackfleisch selbst eingefroren gewesen ist,
sondern lediglich das Ausgangsfleisch. Auch ein anderer
Hinweis, der über den geschilderten Sachverhalt
aufklärt, kann lebensmittelrechtlich nicht gefordert
werden. Voraussetzung dafür wäre unter anderem
eine entsprechende "Verkehrsauffassung", wonach Verbraucher
erwarten würden, dass Hackfleisch eben nicht aus
gefrorenem Fleisch hergestellt wird. Eine solche Auffassung
scheint nach Ansicht des Gerichts jedoch nicht zu
existieren. Für Verbraucher bleibt also nur die
Möglichkeit, in der Fleischabteilung oder Fleischerei
nachzufragen, ob das Hackfleisch aus gefrorenem bzw. wieder
aufgetautem Fleisch hergestellt wurde. "Fleischereien, in
denen Hackfleisch nicht aus gefrorenem oder aufgetautem
Fleisch hergestellt wird, können ihrerseits
entsprechend werben, denn eine Selbstverständlichkeit
scheint dies leider nicht mehr zu sein", bedauert Annette
Neuhaus.