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Lernatlas 2011: Bildung in Lippe hat Zukunft



Vor wenigen Wochen ging ein großer Aufschrei durch ganz Lippe. Der Grund: Das schlechte Abschneiden des Kreises im Lernatlas 2011. Jetzt haben die lippischen Bildungsakteure die Autoren des Lernatlas ins Detmolder Kreishaus eingeladen, um den "lippischen Standpunkt" deutlich zu machen und Antworten auf viele offene Fragen zu bekommen. Vertreter aus Bildung und Wirtschaft, Ehrenamt, Politik, Kultur und Verwaltung nahmen die Sondersitzung des Bildungsausschusses ebenfalls zum Anlass, um ihre Positionen klar deutlich zu machen und den Atlas kritisch zu hinterfragen. Und so stand am Ende der Sitzung in großen Lettern an die Wand projiziert "Bildung in Lippe hat Zukunft".

Mit einer roten Laterne in der Hand betrat Landrat Friedel Heuwinkel den Kreistagssitzungssaal und machte in seiner Begrüßung deutlich, dass diese im Kreis Lippe falsch platziert sei. Er hob hervor, dass Lippe auch weit über die Kreisgrenzen hinaus als innovative Bildungsregion mit seinen vielfältigen Aktivitäten beachtet würde und bemängelte noch einmal das "undurchsichtige und nicht nachvollziehbare Ranking" im Lernatlas. Auch Ausschussvorsitzender Willi Nagel unterstrich diese Worte und betonte, dass die Politik viele wichtige Bildungsprojekte unterstützt und auf den Weg gebracht habe. Auf Verwaltungsebene machten der scheidende Fachbereichsleiter Bildung, Hans Böke, und der Bildungsgenossenschafts-Vorsitzdende Markus Rempe anhand von Statistiken deutlich, dass der Lernatlas die Bildungssituation in Lippe falsch widerspiegele. "Die Studie ist eine statische Momentaufnahme, die keinerlei Entwicklungen berücksichtigt", bemängelte Rempe die Forschungsweise des Atlas. "Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2009, teilweise sogar auf das Jahr 2006", wies er auf das veraltete Zahlenmaterial hin. Besonders in dem Bereich "Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss" hat Lippe laut Studie schlecht abgeschnitten. Tatsächlich lag die Quote im betrachteten Jahr 2009 mit 6,7 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Betrachtet man aber die Jahre 2007, 2008 und 2010 wird deutlich, dass die Quote in diesen Jahren mit 4,8 bzw. 5,3 Prozent unter dem Durchschnitt lag, berichtete Rempe. "So entstehen durch eine reine Querschnittsbetrachtung verzerrte Ergebnisse, die für den Kreis Lippe fatal ausfallen". Insbesondere mit der Bildungsgenossenschaft und dem Bildungsbüro habe der Kreis in den vergangenen Jahren seine Bemühungen im Bildungsbereich stetig intensiviert und Instanzen geschaffen, die viele erfolgreiche und nachhaltige Projekte auf den Weg gebracht haben. "Diese Anstrengungen werden in dem Lernatlas an keiner Stelle berücksichtigt und die geleistete Arbeit mit einem Schlag zu Nichte gemacht", zeigte sich Böke enttäuscht über das verzerrte Bild, das nun auf den gesamten Kreis falle. Die Einschätzung des Kreises teilte auch Prof. Dr. Horst Weishaupt vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung: "Insgesamt ist das Herangehen der Autoren aus unserer Sicht nicht geeignet, die vier Lerndimensionen in den Kommunen adäquat abzubilden und eine verlässliche Basis für ein Ranking zu schaffen". Zu den Lerndimensionen äußerten sich dann Vertreter aus den Bereichen schulischen, beruflichen, sozialen und persönlichen Lernens sowie aus der Wirtschaft und des Landkreistages. So fragte Horst Klüter, Leiter des Felix-Fechenbach-Berufskollegs in Detmold, warum die zahlreichen Aktivitäten der lippischen Berufskollegs nicht in die Betrachtung Lippes mit eingeflossen seien. Stefan Dörr, Verwaltungsdirektor des Landestheaters Detmold widerlegte anhand aktueller Besucherzahlen die für Lippe negativen Auswertungen der Bertelsmann Stiftung.

Frank Frick und Ulrich Schoof, Autoren des Lernatlas, verteidigten ihren Vorgehensansatz und verwiesen auf die schlechte Daten­grundlage, z.B. im Bereich des persönlichen Lernens.

Obgleich der vielen kritischen Stimmen suchte Heuwinkel am Ende der Veranstaltung den Diskurs. "Sie handeln nach dem Grundsatz 'Menschen bewegen - Zukunft gestalten'. Gerne lade ich Sie heute dazu ein, gemeinsam mit uns die Zukunft der Bildungslandschaft Lippe zu gestalten", richtete er seine Worte an die beiden Vertreter der Bertelsmann Stiftung. Um der Bedeutung einer starken Bildungsregion Lippe noch einmal nachhaltig Ausdruck zu verleihen, unterschrieben die Bildungsakteure und viele der Anwesenden ein Transparent mit der Aufschrift "Bildung in Lippe hat Zukunft" und einem Bekenntnis zum Bildungsstandort Lippe.

 

BUZ: Er hat die rote Laterne abgegeben: Landrat Friedel Heuwinkel unterschreibt als erster das Bekenntnis zum Bildungsstandort Lippe.