Pubertät bei Pflegekindern - Fortbildungsveranstaltung
für Adoptiv- und Pflegeeltern in Lemgo
Die Pubertät ist eine Herausforderung und
Bewährungsprobe für Familien. Für Adoptiv -
und Pflegefamilien gilt dies jedoch ganz besonders. Um
speziell Eltern aus diese Familien in dieser Zeit mit Rat
und Tat zu unterstützen, haben die Mitarbeiter
der Adoptiv- und Pflegekinderdienste des Kreises
Lippe und der Stadtjugendämter Bad Salzuflen, Detmold,
Lage und Lemgo zu einer Fortbildungsveranstaltung
eingeladen. Hier referierte Britta Plester-Jopen,
Psychologin der Beratungsstelle des Kreises
Minden-Lübbecke, vor rund 60 interessierten Adoptiv-
und Pflegeeltern in der VHS Lemgo zum Thema
Pubertät.
Dabei ging die Psychologin anschaulich und humorvoll auf
das Thema ein. Sie schilderte, wie der Reifeprozess von
Kindern oft schon früh im Alter von 11 Jahren beginnt
und die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern
"erschüttern" kann. "Die Jugendlichen sind in dieser
Zeit auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und
setzen sich noch einmal oder manchmal zum ersten Mal
intensiv mit ihrer Herkunftsfamilie auseinander," so
Plester-Jopen. "Das macht diese Zeit gerade für
Pflegefamilien sehr schwierig." Die Lebenswelten der
Herkunftsfamilien und Pflege- bzw. Adoptivfamilien
seien meist sehr unterschiedlich. Die Jugendlichen
werden im Vergleich zwischen den Welten hin- und
hergerissen.
Nicht selten kommt es vor, dass sie sich der Lebenswelt
oder dem Verhalten ihrer Herkunftsfamilie nähern
müssen, um ihre eigene Identität zu finden. Die
Pflegeeltern sorgen sich dann oft, dass ihre Kinder einen
ähnlichen Weg einschlagen könnten, wie die
Herkunftseltern.
"Deshalb ist es sehr wichtig, die Kinder und Jugendlichen
schon früh mit ihrer Herkunft und Biografie vertraut
zu machen", so die Psychologin. "Je weniger ein Kind oder
ein Jugendlicher über sich und die Umstände der
Herausnahme aus der Herkunftsfamilie weiß, desto mehr
Phantasien werden freigesetzt und desto mehr Energien
müssen die Jugendlichen auf der Suche nach sich selbst
aufbringen."
Je intensiver die Bindung zwischen Pflegeeltern und den
Jugendlichen in der Vergangenheit aufgebaut werden kann,
desto sicherer ist es, dass diese aufwühlende
Zeit einmal vorbei geht und dass auch die Pflegekinder
ihren eigenen selbstbestimmten Weg gehen können.
In diesen Krisen brauchen Pflegefamilien Beratung und
Unterstützung durch die Mitarbeiter des
Jugendamtes. "Ein Baustein sind hierbei die gemeinsamen
Fortbildungsveranstaltungen der lippischen
Jugendämter", so Jutta Zastrow vom Regionalbüro
Oerlinghausen. "Die gute Annahme der Veranstaltungen zeigt,
wie offen und engagiert die Adoptiv- und
Pflegefamilien in Lippe sich ihren Aufgaben stellen."
Weitere Infos zum Thema gibt's bei Jutta Zastrow,
Regionalbüro Oerlinghausen, unter Telefon
05202-9936622.