Die Umflut kommt - Vertragsunterzeichnung am
SchiederSee
Die Umflut am SchiederSee kann kommen. Mit großer
Mehrheit hat der Kreistag in der vergangenen Woche den
hierfür letzten notwendigen Beschluss gefasst. Den
Zuschlag erhalten hat eine Bietergemeinschaft aus
Düsseldorf. Die Baumaßnahme soll im Februar
2012 starten, bereits jetzt unterschrieben Vertreter des
Kreises und des Firmenkonsortiums im Seerestaurant
"Kronenbruch" den Vertrag. "Dieser Schritt ist eine
Chance für Schieder, den See auf lange Sicht attraktiv
für Einheimische und Touristen zu machen",
unterstrichen Landrat Friedel Heuwinkel und August
Tölle, Geschäftsführer der Erholungszentrum
Schieder GmbH (EHZ).
Insgesamt vier Unternehmen hatten im Sommer ein erstes
Angebot zum Bau der Umflut abgegeben. Am Ende des
europaweiten Ausschreibungsverfahrens blieben zwei Anbieter
übrig, die ein letztverbindliches Gebot einreichten.
"Schließlich entsprach nur ein Angebot den
rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen
Anforderungen", berichtete Heuwinkel. Für knapp 12,96
Millionen Euro werden in rund 30 Monaten die
Bietergemeinschaft Heilit Umwelttechnik GmbH und Josef
Möbius Bau-GmbH die notwendigen Baumaßnahmen
durchführen. Das Land NRW unterstützt unter dem
Vorbehalt, dass die Haushaltsmittel ab dem Jahr 2012 im
Landeshaushalt in ausreichender Höhe vorhanden sind,
die Umsetzung mit 9,6 Millionen Euro.
Damit bleibt der Eigenanteil der EHZ mit etwa 3,4 Millionen
Euro unter der von der Politik geforderten
Vier-Millionen-Grenze. "Wir alle sind froh, dass wir nun
Anfang des Jahres endlich mit dem Bau der Umflut beginnen
können", unterstrich der Landrat und wies noch einmal
auf die Bedeutung der Maßnahme hin: "Die Umflut ist
aus ökologischer und ökonomischer Sicht zwingend
erforderlich. Es gibt keine Alternative, wenn der See
erhalten bleiben soll". Der SchiederSee entspricht nicht
mehr den Anforderungen der europäischen und nationalen
Wasserwirtschaft. Er ist ein Durchgängigkeitshindernis
für das Fließgewässer Emmer sowie eine
Nährstoff- und Sedimentfalle für den SchiederSee.
"Die Staumauer des SchiederSees stellt eine
unüberwindbare Ausbreitungsbarriere für Fische
und Kleinstlebewesen dar. Darüber hinaus werden
Sedimente und Nährstoffe der Emmer im See, mit
negativen Auswirkungen für den See und den Unterlauf
des Gewässers, zurückgehalten", erläuterte
Berthold Lockstedt, Fachgebietsleiter Wasserwirtschaft beim
Kreis Lippe. "Es ist nachgewiesen, dass durch den Stausee
eine kilometerlange Beeinträchtigung der
Gewässergüte der Emmer gegeben ist",
ergänzte Dr. Ute Röder, Fachbereichsleiterin
Umwelt und Energie beim Kreis. In umfangreichen
Untersuchungen sei nachgewiesen worden, dass nur durch eine
Trennung der Emmer vom eigentlichen Stausee die bekannten
negativen Auswirkungen des Sees behoben und die
Naherholungseinrichtung beibehalten werden könnten.
Zukünftig soll der Verlauf der Emmer durch einen
Trenndamm am Nordufer des SchiederSees vom verbleibenden
See abgekoppelt werden. Hierzu soll eine Stahlspundwand vom
Wasser aus in den See eingebracht und mit einer
Felsanschüttung versehen werden. Die Umflut soll eine
Breite zwischen 40 und 60 Meter aufweisen. In diesem
Bereich soll sich ein natürlicher Gewässerlauf
ausbilden können. Zur Anbindung der Umflut an den
Emmerverlauf im Bereich der vorhandenen Stauanlage wird ein
neues Kreuzungsbauwerk errichtet. "Der vorhandne
Hochwasserschutz für die Unterlieger wird im
erhalten", betonte Lockstedt.
Um die ökologische Durchgängigkeit für
Kleinstlebewesen und Fische sicherzustellen, werden im
Bereich der Staumauer zwei Sohlgleiten errichtet. Damit der
Stausee bei längeren Trockenperioden ausreichend
Frischwasser erhält, wird Wasser aus der Niese bzw.
Emmer über ein Schilfbeet direkt in den See geleitet.
BUZ: Setzen ihre Unterschriften unter den Vertrag: Josef
Heitkötter, (Josef Möbius Bau GmbH), Frank
Schumacher (Heilit Umwelttechnik-GmbH) und Landrat Friedel
Heuwinkel (vorne von links). August Tölle, Martin
Elsässer (Heilit), Dr. Ute Röder und Berthold
Lockstedt (von links) schauen ihnen über die Schulter.