Loch Ness in Müssen - Waran aus nicht artgerechter
Haltung gefunden
Ein Angler hat am vergangenen Wochenende an den
Baggerteichen in Lage-Müssen einen ungewöhnlichen
Fund gemacht: ein großes Schuppenkriechtier aus der
Familie der Warane. Das Tier konnte vorübergehend in
einer Zoohandlung untergebracht und am heutigen Donnerstag
in einer Reptilienauffangstation abgegeben werden.
Sabine Schneider, im Kreisveterinäramt für den
Artenschutz zuständig, hat bereits den TerraZoo in
Rheinberg besichtigt. Sie hofft, dass der Waran dort an
einen sachkundigen Halter vermittelt werden kann.
Zunächst muss das Tier jedoch tierärztlich
versorgt werden. "Dass es aus keiner artgerechten Haltung
stammt ist offensichtlich", berichtet Schneider. "Es hat
eine Brandverletzung auf dem Rücken, die vermutlich
von einer unsachgemäß angebrachten
Wärmelampe stammt. Außerdem wurden dem Tier
sämtliche Krallen so dilettantisch gekürzt, dass
dabei Verletzungen aufgetreten sind". Das Tier sollte wohl
als Streicheltier gehalten werden und habe dafür seine
scharfen Krallen opfern müssen, vermutet die
Kreismitarbeiterin. Beim Veterinäramt stellt sich die
Frage nach der Herkunft des Tieres. Die Recherchen bei den
im Kreis Lippe gemeldeten Reptilienhaltern blieben
ergebnislos: "Nach Artenschutzrecht müssen für
Warane Herkunftsnachweise vorgelegt werden. Wir gehen aber
davon aus, dass viele Halter von exotischen Tieren ihrer
Meldepflicht nicht nachkommen", sagt Schneider.
Bei dem gefundenen Bindenwaran handelt es sich bei einer
Körperlänge von 1,20 Metern noch um ein Jungtier,
das ausgewachsen eine Länge von über zwei Metern
erreichen kann. "Diese enorme Größe muss jedem
klar sein, der sich für den Kauf eines solchen Tieres
entscheidet", meint Dr. Heike Scharpenberg,
Amtstierärztin des Kreises Lippe. Sie bedauert, dass
derartige Tierkäufe nicht reglementiert sind. "Jeder
kann sich in einem Zoogeschäft oder auf einer
Reptilienbörse ein exotisches Tier kaufen, ohne
dafür die tierschutzrechtlichen Haltungsbedingungen
und erforderliche Sachkunde vorweisen zu müssen". Die
Terrarienhaltung eines Bindenwarans, der in
Südostasien vor allem Regenwälder und
Mangrovengebiete bewohnt, ist anspruchsvoll und
kostspielig. "Viele Halter können gar keine
artgerechte Unterbringung sicherstellen, die Tiere leiden.
Da stellt sich doch die Frage, ob man
diesen exotischen Tieren die Haltung in privater
Gefangenschaft überhaupt zumuten darf", so
Scharpenberg.
BUZ: Wartet auf Weitervermittlung: Der gefundene Waran kann
im ausgewachsenen Zustand bis zu zwei Meter lang werden.