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03.07.2013

Versorgungssicherheit aus Lippe - Hochtief plant Pumpspeicherwerk auf dem „Mörth“ in Lügde

Sonne und Wind stehen uns nicht immer und regelmäßig zur Verfügung. Um Versorgungslücken zu schließen, werden intelligente Speichermöglichkeiten für den regenerativ gewonnenen Strom benötigt. Eine Lösung sind Pumpspeicherwerke. Und genau so ein Pumpspeicherwerk könnte künftig auch in Lippe stehen – um genau zu sein an der ehemaligen Nato-Station auf dem Mörth in Lügde. Gemeinsam mit dem Projektentwickler „Hochtief“ stellte Landrat Friedel Heuwinkel jetzt das Konzept vor.

Bereits seit längerer Zeit beschäftigt sich der Kreis Lippe mit der Idee, Speicherkapazitäten für erneuerbare  Energien zu schaffen. „Wir sind beim Einsatz regenerativer Energien in Lippe schon jetzt weit vorne. Ein weiterer Schritt, um den produzierten Strom auch dauerhaft zur Verfügung zu stellen, könnte ein Pumpspeicherwerk sein“, betonte Heuwinkel. Hier bringt Hochtief langjährige Erfahrung aus dem Bau von Dämmen und Wasserkraftwerken ein. Aktuell sucht Hochtief deutschlandweit nach geeigneten Standorten für Pumpspeicherwerke. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten könnte der Mörth für den Bau in Frage kommen. „Derzeit sind wir erst in den Anfängen der Planungen“, erläuterte der Landrat. Fragen nach Umweltverträglichkeit, Planfeststellung, Grundstückssicherung, die technische Konzeption sowie die Finanzierung und weitere Voraussetzungen müssten jetzt geklärt werden. Die Verträglichkeit mit Naturschutzzielen in dem Bereich muss gewährleistet werden.

Aufgrund der guten Lage können am „Mörth“ Fallhöhen von bis zu 300 Meter erzielt werden. Mit einer geplanten Leistung von 320 MW würde das Pumpspeicherwerk in Lippe derzeit zu einem der größten Pumpspeicher in Deutschland zählen. Für Berthold Lockstedt, Fachgebietsleiter Wasser-/Abfallwirtschaft, Immissions-/Bodenschutz, Energie ist dieses ein wichtiger Beitrag für eine erfolgreiche Energiewende. „Das Vorhaben stößt daher auch auf sehr große positive Resonanz beim Land NRW und der Bezirksregierung Detmold“, wie Frau Dr. Ute Röder, Leiterin des Fachbereiches Umwelt, Energie aus Vorgesprächen berichtet.

Die Funktionsweise und -technik solcher Kraftwerke ist effizient und erprobt: Produziert zum Beispiel ein Windpark mehr Strom als benötigt, pumpt das Kraftwerk mithilfe des überschüssigen Stroms Wasser aus einem tiefer gelegenen Becken in ein höher gelegenes Bassin. Übersteigt dann zu einem anderen Zeitpunkt die Strom-nachfrage die Produktion, wird das Wasser aus den Oberbecken abgelassen und treibt eine Turbine an, die so den benötigten Strom erzeugt.

Neben diesem klassischen Betrieb sind Pumpspeicherwerke in der Lage, auf Aufforderung der Netzbetreiber die zur Stabilisierung der Stromnetze erforderliche Regelenergie bereitzustellen. Regelenergie wird bei zunehmender Einspeisung von Erneuerbaren Energien unverzichtbar, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Pumpspeicher werden daher zukünftig vermehrt als Netzregelanlagen Einsatz finden. Im Gegensatz zu vielen anderen Kraftwerksarten kann ein Pumpspeicherkraftwerk innerhalb weniger Minuten seine volle Leistung erbringen und erfüllt damit die Anforderungen an hoch flexible Regelkapazitäten. Darüber hinaus sind Pumpspeicherkraftwerke schwarzstartfähig. So können sie andere Kraftwerke bei einem totalen Stromausfall hochfahren.

„Ein Pumpspeicherwerk bringt Chancen für die Region“, ist sich auch Heuwinkel sicher. Neben einer Stärkung des Umsatzes in der Region durch eine mehrjährige Bautätigkeit und einer gesteigerten Wahrnehmung der Region, ermögliche ein Pumpspeicherwerk, im Vergleich zu anderen Speichertechnologien, eine regionale Wertschöpfung und erhöhe die Versorgungssicherheit im Umfeld der Anlage.

Hochtief arbeitet nun einen Zeitplan aus. Das Unternehmen rechnet mit einem Baustart frühestens ab 2016, sofern alle Voraussetzungen gegeben sind. Ein Betrieb wäre dann ab 2021 möglich.