Leitungsführung

Neben den Zugänglichkeiten entscheidet die Leitungsführung, ob eine Abwasseranlage leicht und vollständig zu reinigen und ohne großen Aufwand eine komplette TV-Inspektion durchführbar ist. Auch der Ablauf einer Dichtheitsprüfung, vielleicht sogar in mehreren Abschnitten, hängt vom Verlauf der Leitungen ab.

Sind die Abwasserleitungen unzugänglich und unter der Bodenplatte stark verzweigt, in vielen Bögen verlegt und die Nennweiten der Leitungen gering, wird es schwieriger und somit auch teurer, die Abwasseranlage zu reinigen, zu untersuchen und im Schadensfall zu sanieren.

Besonders bei einem Neubau sollten alle Leitungsverläufe und Nennweiten, die Zugänglichkeiten und die verwendeten Materialen dokumentiert, in einen Bestandsplan aufgenommen und aktuell gehalten werden. Dies gilt auch nach einer Sanierung. Eine deutliche Kosteneinsparung bei eventuell notwendigen Wiederholungsprüfungen oder Dichtheitsprüfungen nach einer Änderung oder Sanierung ist die Folge, da die ausführenden Firmen Anschlussverhältnisse und Leitungsführung nicht rekonstruieren müssen.

 

Diese Tipps sollten Sie beachten:


  • Beim Mischsystem sind Regen- und Schmutzwasser über getrennte Fall-, Sammel- oder Grundleitungen aus dem Gebäude zu führen. Die Grund- bzw. Sammelleitungen sind bis zum Kontrollschacht getrennt zu führen. Beachten Sie die Vorgaben Ihrer Stadt bzw. Gemeinde. Sind Regen- und Schmutzwasser unter der Bodenplatte noch getrennt, kann später mit relativ geringem baulichem Aufwand z.B. von einem Misch- auf ein Trennsystem umgestellt werden.
  • Vermeiden Sie bei einem Gebäude mit Keller unzugängliche Grundleitungen und verlegen Sie stattdessen zugängliche Sammelleitungen. Sammelleitungen können entweder abgehängt (an der Kellerdecke oder der Kellerwand entlang) oder in Rinnen oder Aussparungen verlegt werden.
  • Für Gebäude in der Wasserschutzgebietszone II gelten erhöhte Anforderungen. Hier sind z. B. unzugängliche Grundleitungen unter der Gebäudesohle unzulässig. Für Gebäude außerhalb von Wassergewinnungsgebieten ist dies hingegen eine dringende Empfehlung.
  • Bei Gebäuden ohne Keller sollten die Grundleitungen möglichst kurz und geradlinig aus dem Gebäudebereich herausgeführt werden.
  • In Grund- und Sammelleitungen dürfen nur Abzweige mit höchstens 45° eingebaut werden.
  • Zuläufe über eingeschlagene oder eingebohrte Leitungen können in der Regel nicht gereinigt werden. Leitungen sollten deshalb immer über Formstücke angebunden werden.
  • Die Verlegung von Grund- oder Sammelleitungen in Bögen, insbesondere in mehreren Bögen hintereinander, sollte vermieden werden.
  • Richtungsänderungen von Grund- und Sammelleitungen dürfen nur mit Bögen von höchstens 45° ausgeführt werden.
  • Im Hinblick auf die wiederkehrenden Dichtheitsprüfungen sollten zusätzliche Reinigungsöffnungen im Bereich von Grundleitungsumlenkungen eingebaut werden, um die Leitungen besser inspizieren zu können. Damit werden auch Reinigungsarbeiten bei einer Verstopfung wesentlich erleichtert.
  • Entwässerungsanlagen müssen gegenüber den auftretenden Betriebsdrücken ausreichend wasser- und gasdicht sein. Aus den Leitungsanlagen innerhalb von Gebäuden dürfen keine Gerüche und Gase in das Gebäude austreten. Das bedeutet, dass für die Installation von Entwässerungsanlagen nur solche Bauteile (Rohre, Formstücke, Dichtungen etc.) zu verwenden sind, die nachweislich geeignet sind, die erforderliche Gas- und Wasserdichtheit dauerhaft sicherzustellen.
  • Kleine Nennweiten bereiten nach unseren Erfahrungen große Probleme bei der Untersuchung und Sanierung. Deswegen sollte eine Nennweite von unter DN 100 (bei Sammelleitungen DN 150) unterhalb der Bodenplatte nicht verwendet werden.

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