Wohnberechtigungsschein Ausstellung

Ein Wohnberechtigungsschein wird auf Antrag für eine angemessen große Wohnung ausgestellt, wenn das Einkommen eine gesetzlich bestimmte Einkommensgrenze nicht übersteigt. Je nach Anzahl der Personen des Haushaltes wird eine Quadratmeterzahl festgelegt, wie groß die Wohnung sein darf.

Ausführliche Beschreibung der Leistung

Wer eine öffentlich geförderte Mietwohnung (Sozialwohnung) beziehen möchte, benötigt hierzu einen sogenannten Wohnberechtigungsschein, kurz WBS genannt.

Sozialwohnungen sind Wohnungen, die mit Mitteln des Landes gefördert wurden, normalerweise durch Darlehen. In den Wohnraumnutzungsbestimmungen (WNB) werden die Verpflichtungen von Mietern und Vermietern bei der Nutzung und Mietpreisbildung dieser Wohnungen geregelt.


I. Wohnberechtigungsschein
Sozialwohnungen dürfen nur von Personen bezogen werden, die im Besitz eines gültigen Wohnberechtigungsscheines sind. Wohnberechtigungsscheine werden in allgemeine und gezielte Wohnberechtigungsbescheinigungen unterteilt. Ein allgemeiner Wohnberechtigungsschein wird ausgestellt, wenn noch nicht feststeht, welche Wohnung der Wohnungssuchende beziehen möchte. Wenn die Wohnung schon bezeichnet werden kann und die Zustimmung des Vermieters für den Bezug der Wohnung vorliegt, wird ein gezielter Wohnberechtigungsschein ausgestellt.

II. Einkommensgrenze und Einkommensermittlung
Die Einkommensgrenze für die Erteilung von Wohnberechtigungsscheinen beträgt

  • EUR 19.350 für einen Ein-Personenhaushalt,
  • EUR 23.310 für einen Zwei-Personenhaushalt

Für jede weitere zum Familienhaushalt rechnende Person wird ein Zuschlag von EUR 5.360 gewährt. Sind zum Haushalt rechnende Personen Kinder im Sinne des Einkommensteuergesetzes, erhöht sich die Einkommensgrenze für jedes Kind um weitere EUR 700,00.

Einkommensberechnung
Das Bruttoeinkommen wird um die Werbungskosten reduziert.
Für die Einkunftsarten, für die Steuern geleistet wurden, erfolgt ein pauschaler Abzug in Höhe von 12%, für Beiträge zur Krankenversicherung 10% und für Rentenversicherungsbeiträge 12%.

Werbungskostenpauschbeträge

  • bei Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (auch Minijob) EUR 1.000
  • bei Einnahmen aus Versorgungsbezügen/Renten, ALG I, Unterhalt (auch Unterhaltsvorschuss) EUR 102
  • neben den Werbungskosten werden noch Kinderbetreuungskosten in Höhe von 2/3 der Aufwendungen, maximal aber EUR 4.000, abgezogen


Zur Feststellung des Gesamteinkommens des Haushalts sind von der Summe der Jahreseinkommen aller Haushaltsmitglieder sogenannte Frei- und Abzugsbeträge abzuziehen.


Um die Frei- und Abzugsbeträge anerkennen zu können, sind Nachweise/Urkunden (in Kopie) beizufügen.


Folgende Beträge sind anrechnungsfrei :

  1. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 1: EUR 330,00
  2. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 2 oder
    jede schwerbehinderte Person mit einem Grad der Behinderung von 50 bis 80: EUR 665,00
  3. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 3 oder 2 mit einem Grad der Behinderung von 80 bis 100: EUR 1.330
  4. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 2 oder 3 mit einem Grad der Behinderung von unter 80 oder
    jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 1 mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 80: EUR 2.100
  5. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 4 oder
    jede schwerbehinderte Person mit einem Grad der Behinderung von 100
    sowie für jede häuslich pflegebedürftige Person der Pflegegrade 2 oder 3 mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 80: EUR 4.500
  6. für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 5
    sowie für jede häuslich pflegebedürftige Person des Pflegegrades 4 mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 80: EUR 5.830
  7. bei Zwei-Personen-Haushalten und jungen Ehepaaren (Verheiratete bis zum Ablauf des fünften Kalenderjahres nach dem Jahr der Eheschließung, bei denen keiner der Ehegatten das 40. Lebensjahr vollendet hat) mit mindestens einem Kind: EUR 4.000
  8. für Aufwendungen zur Erfüllung gesetzlicher Unterhaltsverpflichtungen für eine haushaltsangehörige Person, die auswärts untergebracht ist: bis zu EUR 4.000
  9. für Aufwendungen zur Erfüllung gesetzlicher Unterhaltsverpflichtungen für eine nicht zum Haushalt rechnende frühere oder dauernd getrennt lebende Ehegattin oder Lebenspartnerin oder einen nicht zum Haushalt rechnenden früheren oder dauernd getrennten Ehegatten oder Lebenspartner: bis zu EUR 8.000
  10. für Aufwendungen zur Erfüllung gesetzlicher Unterhaltsverpflichtungen für eine sonstige nicht zum Haushalt rechnende Person: bis zu EUR 4.000

Höhere Unterhaltsleistungen als die in Nummern 6 bis 8 aufgeführten sind nur anrechnungsfrei, wenn sie in einer Unterhaltsvereinbarung, einem Unterhaltstitel oder Bescheid festgestellt werden.

III. Wohnungsgröße
Die angemessene Wohnfläche beträgt

  • für Alleinstehende 50 qm
  • für zwei Personen 65 qm (oder 2 Wohnräume)
  • für drei Personen 80 qm (oder 3 Wohnräume)
  • für vier Personen 95 qm (oder 4 Wohnräume).

Sie erhöht sich für jede weitere Person um 15 qm (oder einen Wohnraum).

Die Wohnungsgröße darf um bis zu 5 Quadratmeter überschritten werden.

Ein zusätzlicher Raum oder eine zusätzliche Wohnfläche von 15 qm ist zuzubilligen zum Beispiel:

  • Blinden,
  • Rollstuhlfahrerinnen oder Rollstuhlfahrern,
  • Alleinerziehenden mit Kindern ab vollendetem 6. Lebensjahr oder
  • jungen Ehepaaren, bei denen keiner der Ehegatten das 40. Lebensjahr vollendet hat und deren Ehe noch nicht länger als 5 Jahre besteht.

Rechtsgrundlage(n)

Gesetz zur Förderung und Nutzung von Wohnraum für das Land Nordrhein-Westfalen (WFNG NRW) Einkommensermittlungserlass des Landes NRW

Erforderliche Unterlagen

Welche Unterlagen erfoderlich sind, ergibt sich aus dem Antragsformular.

Voraussetzungen

  1. Einhaltung der Einkommensgrenze (mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnungen/Einkommensgruppe A)
    oder Überschreitung der Einkommensgrenze um bis zu 40 % (Wohnungen Einkommensgruppe B)
    und
  2. Einhaltung oder nur unwesentliche Überschreitung (bis zu 5 qm) der angemessenen Wohnungsgröße.

Verfahrensablauf

1. Alle Anträge:

  • Die Eintragungen bitte in Druckschrift oder mit Schreibmaschine vornehmen und Zutreffendes ausfüllen und deutlich ankreuzen.
  • Die Angaben zum Familienhaushalt sind vom Einwohnermeldeamt der Stadt/Gemeinde bestätigen zu lassen.

2. Wohnberechtigungsscheine:

  • Ausländer haben den Pass bzw. die Aufenthaltsgenehmigung vorzulegen.
  • Für eine gezielte Wohnberechtigungsbescheinigung ist die Anlage "Einverständniserklärung und Angaben des Vermieters/der Vermieterin" erforderlich.

3. Einkommenserklärung für den sozialen Wohnungsbau:

  • Für jede haushaltsangehörende Person mit eigenem Einkommen ist jeweils eine Einkommenserklärung einzureichen.
  • Das Einkommen der letzten 12 Monate ist nachzuweisen (durch Bestätigung des Arbeitgebers, Verdienstabrechnungen, Rentenmitteilungen oder ähnliches).
  • Als Nachweis über erhöhte Werbungskosten (siehe Nr. 7 der Einkommenserklärung) ist der letzte Einkommensteuerbescheid oder Bescheid über den Lohnsteuer-Jahresausgleich vorzulegen.

Formulare

Hinweise/Besonderheiten

In NRW ausgestellte Wohnberechtigungsscheine sind ausschließlich in Nordrhein-Westfalen gültig.

Die Städte Bad Salzuflen, Detmold, Lage und Lemgo sind für ihre Wohnberechtigungsscheine selbst zuständig.

Frist

Wohnberechtigungsscheine sind für 1 Jahr ab Ausstellung gültig.

Bearbeitungsdauer

Wenn Sie persönlich den Antrag stellen und alle erforderlichen Unterlagen dabei haben, wird der Antrag normalerweise sofort bearbeitet.

Bei Antragstellung per Post kann die Bearbeitung bis zu einer Woche dauern.

Kosten

Gebührenrahmen: EUR 5,00 - 10,00

bei Nachnahme:
zusätzlich Nachnahmegebühr EUR 5,00

Zahlungsweisen:

  • Barzahlung
  • girocard
  • Nachnahme

Zuständige Organisationseinheit(en)

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