15.11.2013

Abschied von einem alten Hofwächter – Naturdenkmalgeschützte Eiche in Hagen wird gefällt

Für Anita und Bernhard Erz aus Hagen war es eine traurige Nachricht, die ihnen Jörg Westphal von der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe jetzt überbracht hat. Der stattliche Eichenbaum, der das Haus der Familie seit fast zwei Jahrhunderten wie ein Hofwächter vor Wind und Wetter geschützt hat, steht nur noch kurze Zeit. Ein Baumpilz hat das Holz  so geschwächt, dass die Eiche nicht mehr standsicher ist, so die Diagnose des Kreismitarbeiters. Am kommenden Dienstag wird die Eiche von der Detmolder Fachfirma Fettig gefällt. Dann ist Hagen um einen ortsbildprägenden Baum ärmer.

„Das wird für uns ein sehr emotionaler Moment sein“, erklärt ein bewegter Bernhard Erz: „Aber die Sicherheit meiner Familie geht schließlich vor“. „Bei einem so stattlichen Baum wird eine solche Entscheidung auch von der Behörde nicht leichtfertig getroffen“, fügt Westphal hinzu. In den beiden vergangenen Jahren hatte sich die Vitalität der Eiche deutlich verschlechtert. Verantwortlich dafür ist der „Kupferrote Lackporling“. Seine großen Fruchtkörper am Stammfuss sind nicht zu übersehen. „Als die Baumpfleger im Frühjahr die Eiche saniert haben“, so der Kreismitarbeiter, „habe ich noch gehofft, dass der Baum uns noch einige Jahre erhalten bleibt. Diese Einschätzung hat sich bedauerlich nicht bewahrheitet.“ Nachdem sich das Krankheitsbild über den Sommer erheblich verschlimmert hatte, konsultierte Westphal die beiden Baumexperten  Martin Rensing und Andreas Fettig. Nach einer eingehenden Untersuchung bestand für die Drei Klarheit. „Wir müssen inzwischen von einer massiven Wurzelstockfäule ausgehen, die die Standsicherheit des Baumes herabgesetzt hat", erläutert Rensing, der als öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter arbeitet. „Der Pilz hat im Laufe der Jahre eine intensive Weißfäule verursacht. Dabei wird das strukturgebende Lignin vollständig abgebaut, und die Zellulose-Anteile des Holzes bleiben zurück. Die Struktur des Holzes wird dabei völlig aufgelöst“, führt der Experte weiter aus. Dem Ehepaar Erz und vielen Hagenern wird der Eiche fehlen. „Vielleicht pflanzen wir einen neuen Baum, sonst bleibt uns nur die Erinnerung“, sagen die Beiden.