06.06.2019

Auf den Spuren des Auerochsen: Zuwachs in der Senne mit begleitender Ausstellung

Neue Bewohner für die Senne: Besucher des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald (NGP) können ab sofort auf eine äußerst seltene Rinderrasse treffen - die Auerrinder. Sie wurden nun bei einem Auftrieb in den Steinbruch am Barkhauser Berg in der Landschaft angesiedelt. Die Rinder sollen fortan in Oerlinghausen und Augustdorf weiden. „Europaweit ist die Beweidung von Naturschutzflächen im Offenland inzwischen gängige Praxis. In Lippe gibt es aber eine Besonderheit. Im Naturschutzgroßprojekt werden auch Waldflächen beweidet. Dadurch entstehen lichte Hudewälder, die zahlreichen Pflanzen und Tieren als Lebensraum dienen – ein wichtiges Stück Arten- und Naturschutz. Mit den Auerrindern haben wir jetzt neue, fleißige Helfer, die die Landschaft mit entwickeln und pflegen“, erklärt Landrat Dr. Axel Lehmann.

Die Ansiedlung der Auerrinder ist durch eine Kooperation des NGP mit dem Freilichtlabor Lauresham in Lorsch zustande gekommen. In der hessischen Stadt versuchen Experten mit dem Auerrindprojekt, eine Rinderrasse zu züchten, die dem Auerochsen in seinem Erscheinungsbild möglichst nahekommt. Dafür kreuzen sie fünf verschiedene Hausrindrassen. „Seit knapp 400 Jahren ist der Auerochse ausgestorben. Mit der Ansiedlung der Auerrinder gibt es aber einen Nachfahren, der der Wildform im Verhalten und der Genetik sehr nah kommt. Dadurch können wir die Tiere für eine naturnahe und ganzjährige Beweidung einsetzen“, so Daniel Lühr, Leiter des Naturschutzgroßprojektes.

Zunächst wird mit zwei männlichen Auerrindern geprüft, ob sich die Tiere neben den bereits 2011 angesiedelten Schottischen Hochlandrindern in das Weidekonzept des NGP eingliedern lassen. Sollten die ersten Erkenntnisse positiv sein, können sich die Verantwortlichen des NGP durchaus vorstellen, eine eigene Zuchtgruppe aufzubauen.

Passend zu der Ansiedlung der Auerrinder eröffnete im Archäologischen Freilichtmuseum in Oerlinghausen die Wanderausstellung „Der Auerochse – eine Spurensuche“. Sie vermittelt einen Eindruck, wie der Urvater der Hausrinder aussah, wie er gelebt hat und was für eine Bedeutung er für die Menschen hatte. Dazu werden frühe Darstellungen, Vorstellungen zu seinem Lebensraum und originale Knochenfunde gezeigt. Die ausgestellten schriftlichen, bildlichen und archäologischen Zeugnisse, laden zu einer Spurensuche ein. Neuste kulturhistorische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse runden die Schau ab. „Die Ansiedlung der Rinder ist einzigartig. In Oerlinghausen können Besucher nun wortwörtlich Geschichte zum Anfassen erleben. Sie erfahren, wie große Pflanzenfresser unser Landschaftsbild vor Jahrtausenden prägten und wie der Mensch mit und von ihnen lebte“, sagt Bürgermeister Dirk Becker.

                                

Kommen dem ausgestorbenen Auerochsen in Hinblick auf Verhalten und Genetik sehr nah: Die Auerrinder gehören ab sofort zum Landschaftsbild im Naturschutzgroßprojekt Senne. Foto: Naturpark Teutoburger Wald/ Eggegebirge