03.06.2013

Erziehende im Fokus: Jobcenter und Netzwerk Lippe starten „Ulla plus“

Zwei Frauen, zwei Geschichten, ein Problem: Seit der Trennung von ihrem Mann lebt die ausgebildete Altenpflegerin und Hauswirtschafterin Frau W. allein mit ihrer schwerbehinderten Tochter. Wegen diversen Arzt- und Therapieterminen ihres Kindes konnte Frau Z. nur einen Minijob ausüben – ohne zusätzliche Leistungen vom Jobcenter reichte das Geld für den Lebensunterhalt nicht. Komplett auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist hingegen Frau Z. Die türkischstämmige Frau verließ die Schule ohne Abschluss und versucht nun nach zehn Jahren Familienphase ins Berufsleben einzusteigen. Fast 50 Prozent der rund 5.500 meist weiblichen Alleinerziehenden in Lippe beziehen Leistungen vom Jobcenter. „Hier offenbart sich für uns als Kreis eine große gesellschaftliche Aufgabe, aber auch eine große Chance“, betont Landrat Friedel Heuwinkel. Arbeitslose Frauen von heute seien dringend benötigte Fach- und Arbeitskräfte von morgen.

Um Alleinerziehenden bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu unterstützen und ihr individuelles Potential bestmöglich zu fördern, startete das Jobcenter Anfang 2013 „Ulla plus“. Das Projekt ist die Fortsetzung des Modellprojektes „Ulla – Unterstützung langzeitarbeitsloser lippischer Alleinerziehender“, welches gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) in den vergangenen drei Jahren erfolgreich vom Netzwerk Lippe durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Projektes konnte das Netzwerk Lippe insgesamt mehr als 240 Frauen erfolgreich (wieder) in den Arbeitsmarkt integrieren.

`Ulla plus´ ist ein absolutes Leuchtturmprojekt für das Jobcenter; das belegt schon der Erfolg des Vorgängerprogramms. Hier konnten seit 2010 insgesamt 275 Alleinerziehende in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden“, erläutert Michael Rosentreter, zweiter Vorstand des Jobcenters Lippe. Durchgeführt wird das Angebot vom Netzwerk Lippe im Auftrag des Jobcenters mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung durch den Kreis Lippe. „Neu an `Ulla plus´ ist vor allem, dass das Angebot nicht nur Alleinerziehenden, sondern allen Erziehenden mit Beratungsbedarf offen steht“, erklärt Thomas Jeckel, Geschäftsführer des Netzwerks Lippe.

Neu ist außerdem die vom Netzwerk Lippe eingerichtete Clearingstelle. Hier können Alleinerziehende und Erziehende mit Beratungsbedarf mit Experten in Einzelgesprächen klären, welche Gründe einer Arbeitsaufnahme entgegenstehen. Zum Beispiel kann den Betroffenen bei Fragen zur Kinderbetreuung oder der Möglichkeit, einen Schulabschluss oder eine Ausbildung nachzuholen, geholfen werden. Diese Hilfs- und Beratungsleistungen hat auch die ausgebildete Altenpflegerin Frau W. durchlaufen. Sie ist eine von 17 Frauen, die durch die Clearingstelle mittlerweile in eine Arbeitsstelle vermittelt wurden. Durch ein extra organisiertes „Job-Speed-Dating“ mit verschiedenen Arbeitgebern aus der Region konnte die ausgebildete Altenpflegerin und Hauswirtschafterin bei den anwesenden Arbeitgebern einen so guten Eindruck hinterlassen, dass ihr am Folgetag ein konkretes Jobangebot in Teilzeit gemacht wurde. Seither ist Frau W. in einer Altenpflegeeinrichtung im hauswirtschaftlichen Bereich tätig. Seit Januar wurden bereits 209 alleinerziehende Leistungsempfänger in der Clearingstelle beraten und gecoacht – darunter auch die türkischstämmige Frau Z. Sie konnte nach dem Durchlaufen der Clearingstelle direkt in „Ulla plus“ einsteigen, wo sie bis zu sechs Monate das Schulungs- und Weiterbildungsangebot in Anspruch nehmen kann – immer in Teilzeit und zeitlich flexibel.

Arbeitgeber, die freie Stellen mit Alleinerziehenden besetzen möchten, können sich beim Arbeitgeberservice des Jobcenters Lippe unter Tel.: 05231-4599-460 melden.

 


"Ulla Plus"
Marina Teubner und Sündüz Celayir (vorne) hoffen auf neue berufliche Perspektiven dank Ulla plus - hinten: Thomas Jeckel, Michael Rosentreter, Landrat Friedel Heuwinkel, Christa Blume (Netzwerk Lippe) und Ulrike Grabow (Jobcenter Lippe)