15.05.2019

Kulturelle Unterschiede bei den Bindungssystemen - KI schult Akteure der Erziehungsarbeit

Was ist ein angemessener Umgang mit Kindern? Braucht ein Kind viele Bezugspersonen oder ist die Konzentration auf wenige der richtige Weg? Bindungssysteme sehen in verschiedenen Kulturen unterschiedlich aus. Auf Einladung des Kommunalen Integrationszentrums Lippe hat Prof. Dr. Heidi Keller unter dem Motto 'Bindung und Kultur' über den europäischen Tellerrand hinaus geblickt und aufgezeigt, warum in der Kinderbetreuung unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Ziel der Veranstaltung war es, verschiedene Formen des Zusammenlebens mit Kindern aufzuzeigen und für die Offenheit gegenüber anderen Umgangsweisen zu sensibilisieren.

Die Bindungstheorie, in der westliche Mittelschichtsfamilie als normal betrachtet wird, treffe in der Realität nur auf fünf Prozent der Weltbevölkerung zu, machte Entwicklungspsychologin Heidi Keller deutlich. Familien des Nso-Stammes in Kamerun legten beispielsweise den Schwerpunkt im Umgang mit Babys auf Körperkontakt und –stimulation, während in Deutschland eher der Kontakt in Form von Sprache, direktem Anschauen und Objekten erfolge. Grund dafür seien unterschiedliche Entwicklungsziele und damit auch die verschiedenen Menschenbilder. Beide Systeme funktionierten gleichwertig gut. Es gebe keine Belege, dass ein System besser als das andere sei, erläuterte Keller. Abschließend zog sie als Fazit, dass letztendlich alle Eltern immer nur das Beste für ihre Kinder möchten, weshalb die Gesellschaft immer offen für unbekannte Verhaltens- und Erziehungsmuster sein solle.

Bindungssysteme

Kommunales Integrationszentrum schult Beteiligte der Erziehungsarbeit zum Thema „Bindung und Kultur“. Prof. Dr. Heidi Keller (2. von rechts) mit den Programmkoordinatorinnen Jessica Keitel, Linda Heidenreich (v.l.) und Anne Grit Bangura (r.).

Für die Elternbegleiterinnen der KI-Programme „Griffbereit“, „Rucksack Kita“ und „Rucksack Schule“ sowie Erzieherinnen, Einrichtungsleiterinnen und Schulsozialarbeiterinnen bot sich nach dem Vortrag außerdem Raum für Austausch und Reflexion. „Damit kann das Gelernte in den Alltag transferiert werden, sodass die Teilnehmerinnen das Verhalten von Eltern und Kindern aus anderen Gesellschaften im Alltag besser verstehen und offener damit umgehen können“, so Linda Heidenreich, Koordinatorin „Rucksack Schule“.

Weitere Infos zu den KI-Programmen gibt es unter www.willkommen-in-lippe.de.