26.07.2019

Teilhabe, Vertrauen und Augenhöhe im Fokus: Fachtag zur Zuwanderung aus Südosteuropa

„Wir müssen mit den Zuwanderern aus Südosteuropa reden und nicht über sie.“ Dies ist das Fazit des „Fachtags Südosteuropa – Auf dem Weg zu einem gelingenden Miteinander“. Das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Lippe organisierte die Veranstaltung für über 80 Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen und mit unterschiedlichen Professionen, die während des Fachtags über die EU-Zuwanderung in den Kreis Lippe diskutierten.

Unter dem Titel „Soziale Arbeit und staatliche Institutionen zwischen Ausgrenzung, Erziehung und Romantisierung“ setzte sich Dr. Markus End mit dem Verhältnis des Großteils der Gesellschaft zur Zuwanderergruppe auseinander: „Die Ursachen des Rassismus gegenüber Roma und Sinti liegen nicht in den Eigenschaften der betroffenen Gruppe, sondern in den Zuschreibungen und Vorstellungen durch die Mehrheitsgesellschaft.“ Dadurch können die Normen und Identitätsentwürfe dieser Gesellschaft abgesichert werden, so der wissenschaftliche Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin weiter. Gleichzeitig entwickele sich ein Bild, das eine Distanzierung fördere.

Die Feststellung, dass Themen wie Hilfsbedürftigkeit und Probleme einer bestimmten Volksgruppe zugeordnet würden anstatt individuelle soziale Verhältnisse in den Blick zu nehmen, bestätigte ein weiterer Referent, Kasm Cesmedi. „Die ethnische Zugehörigkeit sollte keine Bedeutung für die schulische Entwicklung der Kinder haben“, führte der angehende Lehrer weiter aus. Alle müssten in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden. Daher sei es wichtig, dass die Roma ihre Geschichte selber erzählen könnten. „Ohne die Beteiligung der Roma werden Sie es nicht schaffen“, so Cesmedis eindeutiges Fazit zum Erfolg der Integrationsbemühungen.

Dieser Gedanke begleitet die Integrationsarbeit des Kommunalen Integrationszentrums im Kreis Lippe bereits, wie Mitarbeiterin Jessica Keitel verdeutlichte. „Teilhabe, Vertrauen und Augenhöhe sind eine Grundvoraussetzung, um mit den Roma und anderen Zuwanderergruppen in Kontakt zu kommen und so eine gelingende Integration voranzubringen“, erklärte sie in ihren Ausführungen zu den Maßnahmen in Augustdorf.

190710_Fachtag Südosteuropäische Einwanderer

Sorgten beim Fachtag für einen vielseitigen Input (v.l.): Jessica Keitel, Kasm Cesmedi, Sabine Beine, Dr. Frank Oliver Klute, Dr. Markus End, Frank Abbas und Kenan.