21.11.2014

Zahlreiche Sichtungen in Lippe: Nicht alle Rotmilane zieht es in den Süden

Normalerweise fliegen Rotmilane bereits im Oktober in ihre Überwinterungsgebiete nach Spanien und Frankreich. Dennoch sieht man jetzt im November immer noch einige dieser Vögel in Lippe. Warum das so ist, erklärt Jörg Westphal von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe.

„Sehr wahrscheinlich sind die vielen Mäuse der Grund für dieses Verhalten. Sie bieten dem Rotmilan ausreichend Nahrung, so dass für manche Tiere keine Notwendigkeit besteht, ihrem angeborenen Zugtrieb zu folgen“, erklärt der Rotmilankenner. Es ist also nicht das milde Herbstwetter, das sie bisher zum Hierbleiben veranlasst hat, denn im vergangenen Jahr waren die Vögel trotz hoher Temperaturen bereits im Oktober in den Süden gezogen. „Wir hatten ein schlechtes Mäusejahr. Sowohl  Rotmilane als auch andere Greifvogelarten, wie beispielsweise der Mäusebussard, konnten keinen oder nur wenig Nachwuchs großziehen“, so Jörg Westphal.

Er hat in diesem Jahr zusammen mit den lippischen Rotmilanfreunden und Wissenschaftlern der Universität Bielefeld 45 junge Rotmilane beringt. Die meisten von ihnen erhielten bei der Beringung auch individuelle Flügelmarken. „So konnten wir ab August die Aufenthaltsorte einiger dieser Jungvögel bestimmen und auf diese Weise wichtige Kenntnisse über ihre Sammelplätze und Nahrungsgebiete erlangen“, begründet der Kreismitarbeiter die Notwendigkeit des Markierungsprogrammes. Bereits Mitte September haben fast alle in diesem Jahr geborenen Rotmilane Lippe verlassen, während die Altvögel etwas später aus ihren Brutrevieren verschwinden. Der Zug ins jeweilige Überwinterungsgebiet führt zwar die meisten von ihnen nach Spanien, jedoch zunehmend auch nach Frankreich oder in die Schweiz. Dass der Zug Richtung Süden auch Gefahren bergen kann, macht das Schicksal des Jungmilans 5C deutlich, dessen Reise am 20. September begann und ihn durch Frankreich bis in die Nähe von Madrid führte. Anfang November verunglückte er dann an einer Straße, vermutlich bei dem Versuch Beute zu machen, tödlich. Der junge Milan hatte eine Strecke von fast 1500 Kilometer zurückgelegt.

Erfreulicher dagegen war die Sichtung des Rotmilans mit dem Flügelmarkencode CJ durch Heiko Seyer. Der Hobbyornithologe aus Billerbeck hat den 2012 im Beller Holz geborenen und markierten Vogel jetzt im November bei Ottenhausen im Kreis Höxter beobachtet. „Nach der Beringung gab es zunächst kein Lebenszeichen mehr von ihm. Vielleicht hatte er in diesem Jahr zum ersten Mal selbst Nachwuchs“, hofft Jörg Westphal. Dieser Rotmilan gehört auf jeden Fall zu den Individuen,  die es aktuell nicht in den Süden zieht.

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Wird auch im November noch oft in Lippe gesichtet: Der Rotmilan.