Lernen vor Ort

Seit geraumer Zeit sind im deutschen Bildungswesen Ansätze zu erkennen, die auf eine stärkere Vernetzung und Koordination zwischen Akteuren auf der regionalen Ebene und hier insbesondere auf der Ebene von Kreisen setzen. Insgesamt gewinnt die Vernetzung auf dezentraler Ebene damit zunehmend an Bedeutung im deutschen Bildungswesen.

Mit dem umfassend angelegten BMBF-Programm „Lernen vor Ort“ wurde diese Entwicklung aufgegriffen und weiter entwickelt. Kreise und kreisfreie Städte wurden dabei unterstützt, „ein ganzheitliches, kohärentes Management für das Lernen im Lebenslauf zu entwickeln und umzusetzen“. Insbesondere sollten ganzheitliche Konzepte zum Lernen im Lebenslauf entstehen, bei denen alle Lernphasen der Bildungsbiographie Berücksichtigung finden. Zu diesem Zweck sollten alle wichtigen Bereiche einbezogen und unterschiedliche Zuständigkeiten zusammengeführt werden.

„Lernen vor Ort“ war zunächst auf drei Jahre (2009-2012) begrenzt. In diesem Zeitraum wurden aus 150 Bewerbern zunächst 40 Kommunen für eine Förderung ausgewählt. Im Anschluss daran konnten sich noch 36 Kommunen für eine vertiefende, zweijährige Förderung qualifizieren, darunter auch der Kreis Lippe.

Im Folgenden werden die grundlegenden Aktionsfelder und ihre Fortführung nach dem Programmende im August 2014 kurz skizziert:

Zur wichtigsten Kernaufgabe zählte die Bündelung und Zusammenführung von Bildungszuständigkeiten und -aktivitäten in einem gemeinsam verantworteten Bildungsmanagement. Neben einer Bereitstellung von Informationen sollte auch die Einbindung von Schlüsselakteuren in der Kommune sowie die Entwicklung eines Gesamtkonzepts mit einer Zukunftsvision einer kommunalen Strategie für ein vor Ort gelingendes Lernen im Lebenslauf für die folgenden Jahre entwickelt werden. Mit der in diesem Arbeitsprogramm dargestellten Struktur des Regionalen Bildungsnetzwerk und der Beteiligung staatlich-kommunaler (u.a. Lenkungskreis & Steuerungsgruppe) wie auch zivilgesellschaftlicher Akteure (u.a. Lippe Bildung eG) konnte in den zurückliegenden Jahre eine handlungs- wie auch zukunftsfähige Struktur aufgebaut und in gemeinsam definierten Handlungsfeldern umgesetzt werden.

Ein zentrales Instrument des Bildungsmanagements ist das Bildungsmonitoring, das als Querschnittsthema im Programmverlauf schrittweise entwickelt worden ist. Als datengestützter, kontinuierlicher Beobachtungs- und Analyseprozess erhalten die politischen Entscheidungsträger ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit regelmäßig fundierte Ergebnisse. Zu nennen sind hier insbesondere der zweijährig erscheinende Kommunale Bildungsbericht, der jährliche Faktencheck Bildung wie auch zahlreiche mit und für Kommunen durchgeführte Detailanalysen. Aufgrund der erfolgreichen Arbeit wird das Bildungsmonitoring auch über das Projektende hinaus weiter fortgeführt.

Mit der Bildungsberatung ging es darum, ein neutrales, bildungsbereichs- und trägerübergreifendes Beratungsangebot sicherzustellen, Transparenz und Orientierung für den Einzelnen zu ermöglichen und die Angebote vor Ort eng aufeinander abzustimmen. Mit dem Aufbau eines breit getragenen Arbeitskreises Weiterbildung wurde eine Grundstruktur geschaffen, mit der unterschiedliche Angebote der Information, Beratung und Weiterentwicklung entwickelt und umgesetzt werden konnten. Insbesondere sind dabei der Bildungskompass, die Bildungshotline, der Weiterbildungsatlas oder auch gemeinsame Marketingaktivitäten zu nennen. Die beteiligten Partner haben sich für den Fortbestand des Arbeitskreises ausgesprochen. Der Kreis wird seine Ressourcen zur Unterstützung dieser Aktivitäten im Zentrum für Bildung, Medien & Beratung bündeln.

Das Aktionsfeld Bildungsübergänge zielte darauf, bildungsbezogene Übergänge im Rahmen des lebensbegleitenden Lernens zu verbessern. Zu diesem Zweck sollte die Zusammenarbeit der an den Schnittstellen der Bildungsbereiche beteiligten Institutionen und Einrichtungen in ausgewählten Übergangsbereichen systematisiert werden. Schwerpunktmäßig wurde hier der weitere Ausbau der Koordinierungsstelle Schule-Beruf unterstützt, die ein gemeinsames, lippisches Konzept der Berufsorientierung entwickelt und mit vielen weiteren Projektideen ergänzt hat. Die bisherige Arbeit wird vollumfänglich in der fortgeführten Kommunalen Koordinierungsstelle Schule-Beruf weiter umgesetzt.

Die Bildungsgeschichte jeden Kindes beginnt in der Familie. Forscher gehen davon aus, dass 60 – 70% der Bildungsbiographie durch die Familie geprägt sind. Grund genug für den Kreis Lippe, den Bereich Familienbildung/Elternarbeit als weiteres Aktionsfeld auszuwählen. Gemeinsam mit allen fünf Jugendämtern im Kreis Lippe (1. Förderphase) wurde an gemeinsamen Projekten und Konzepten gearbeitet. Insbesondere sind dabei die Programme für Alleinerziehende sowie die Konzeptentwicklung der „Bildungs- und Entwicklungsbegleiterinnen“ sowie „Elternbegleiter“ zu nennen, die in der zweiten Förderphase auch auf weitere Kommunen im Kreisgebiet ausgedehnt werden konnten. Durch die Integration in den zuständigen Fachbereich kann auch diese Arbeit zukünftig weiter fortgesetzt werden.

Die gelingende Umsetzung des Lernens im Lebenslauf wurde mit dem Aktionsfeld Wirtschaft, Technik, Umwelt und Wissenschaft für den MINT-Bereich als Ziel vorgegeben. Insbesondere konnte hier die zeitgleich entstehende Struktur des zdi-Zentrums Lippe.MINT als gemeinsame Plattform mit einbezogen werden. Zum Programmende ist so ein aufeinander aufbauendes und miteinander verzahntes MINT-Bildungsangebot gemeinsam mit vielen Partnern entstanden. Inhaltlich standen insbesondere Themenfelder von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung für den Kreis Lippe im Fokus (u.a. Kunststoff, IT/Automatisierung, Elektrotechnik etc.). Mit der Fortführung des zdi-Zentrums unter dem Dach der Lippe Bildung eG werden die entwickelten Maßnahmen in die Nachhaltigkeit überführt und weiter ausgebaut.

Kooperation mit Stiftungen

Das BMBF hat „Lernen vor Ort“ gemeinsam mit einem Verbund deutscher Stiftungen umgesetzt. Im Kreis Lippe hat die Stiftung Standortsicherung die Grundpatenschaft für das Programm übernommen. An vielen Stellen konnten so Aktivitäten der Beteiligten noch stärker unterstützt werden. Nach Abschluss des Programms ist die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe noch enger mit dem inzwischen aufgebauten Regionalen Bildungsnetzwerk verbunden und bringt sich neben einer finanziellen Unterstützung auch mit vielen inhaltlichen wie konzeptionellen Ideen in die Weiterentwicklung der Bildungsregion Lippe mit ein.