11. Mai 2021

Deutschland hat beim Thema Durchlässigkeit des Bildungssystems wiederholt schlechte Noten bekommen. Oft entscheidet die Herkunft über die Bildungskarriere. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fördert deshalb gezielt Projekte, die starre Grenzen im Bildungssystem aufbrechen. Dabei hat sie sich das InnoVET-Projekt Bildungsbrücken OWL angeschaut.

„Die berufliche Ausbildung muss für die jungen Leute spannend und einfach hip sein. Denn nur so begeistern wir auch die nächste Generation dafür und das sichert uns die Fachkräfte der Zukunft. Das Projekt Bildungsbrücken OWL ist ein solches Angebot, was junge Leute echt begeistern kann. Wir brauchen mehr davon“, so Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zum Auftakt des digitalen Treffens mit den Vertretern des InnoVET-Projektes Bildungsbrücken OWL.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im vergangenen Jahr den Wettbewerb „Zukunft gestalten – Innovationen für eine exzellente berufliche Bildung“ – kurz InnoVET gestartet. Das Ziel: Die Ministerin will die berufliche Bildung zukunftsfest machen und die Gleichwertigkeit dualer und akademischer Bildung unterstreichen. Das Projekt Bildungsbrücken OWL ist eines von 17 Projekten, in deren Ideen der Bund insgesamt 80 Millionen Euro investiert. In einer Online-Konferenz hat sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek persönlich ein Bild von den Fortschritten des Projektes gemacht.

Das Ziel von Bildungsbrücken OWL ist es, ein berufliches Bildungsökosystem zu etablieren, das sowohl die akademische Laufbahn als auch die Berufliche Bildung und die Meisterausbildung im Blick hat. Neue digitale Technologien und demografische Entwicklung machen es erforderlich, dass Bildungsbiographien flexibler werden und Menschen aus unterschiedlichen Bildungsangeboten wählen können. Starre Grenzen zwischen akademischer und beruflicher Bildung sind überholt. Das Projekt Bildungsbrücken OWL will dazu beitragen, dass die Hürden zwischen unterschiedlichen Bildungsangeboten sinken und hybride Bildungsformate entwickeln. In dem Projekt haben sich deshalb die wichtigsten lippischen Akteure aus dem schulischen, betrieblichen und akademischen Bildungsbereich zusammengeschlossen- der Kreis Lippe mit dem Eigenbetrieb Schulen, die Lippe Bildung eG in Lemgo, die Technische Hochschule OWL und die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe.

„Brücken bereiten neue Wege. Unser Anspruch ist es, jedem Individuum zu ermöglichen seinen Bildungsweg zu gehen, in der Zeit, in der es für ihn oder sie richtig ist. Das schaffen wir über offene betriebliche, schulische und akademische Lernorte und gemeinsame Lernformate für die berufliche und akademische Bildung“, erklärt Professor Andreas Welling, der das Projekt Bildungsbrücken OWL an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe leitet. „Konkret bedeutet das, dass wir zum Beispiel mit Studierenden aus Architektur, Innenarchitektur und Bauingenieurwesen und Auszubildenden aus dem Bereich der Baugewerke unter Anleitung der Experten der Kreishandwerkerschaft gemeinsam an echten Bauprojekten arbeiten, das kann zum Beispiel ein Tiny House sein. So können Lernende aus beruflicher Bildung und Studium ihre Kompetenzen einbringen, sie arbeiten gleichwertig an dem Projekt und lernen sich kennen und schätzen.“

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek interessierte sich bei dem Gespräch unter anderem für die Frage, wie man durch die Kooperation unterschiedlicher Lernorte die Attraktivität von beruflicher wie akademischer Bildung erhöhen kann, so dass beide Seiten voneinander profitieren. Manuela Kupsch vom Eigenbetrieb Schulen des Kreises Lippe, dem Träger der beruflichen Schulen in der Region: „Der Kreis Lippe hat schon vor einiger Zeit den Wert von Lernortkooperationen erkannt und so haben wir mit Hilfe von Fördermitteln von Bund und Land zum Beispiel eine cyberphysische Fabrik eingerichtet. Nachwuchskräfte aus dem technischen und dem kaufmännischen Bereich erhalten hier Einblicke in den kompletten Produktionsprozess eines Produktes, sie arbeiten gemeinsam, sie lernen voneinander und blicken über den Tellerrand. Wir wollen solche gemeinsamen Lernformate ausbauen, für Lernende aus den Berufskollegs, der Hochschule und den Ausbildungsbetrieben, die hier zusammen an Projekten arbeiten.“

Eigenbetriebsleitering Manuela Kupsch während der Video-Konferenz. Foto: TH OWL

Im Projekt Bildungsbrücken OWL geht es um das Lernen über Systemgrenzen hinweg: Warum sollten Auszubildende und Studierende nicht gemeinsam Seminare und Vorlesungen besuchen? In solchen hybriden Lernformaten könnten die Teilnehmer Creditpoints fürs Studium sammeln und Module der beruflichen Ausbildung absolvieren. Teams aus Studierenden, Auszubildenden und Fachkräften mit Berufserfahrung könnten gemeinsam Zukunftskonzepte für unterschiedliche Branchen entwickeln. Lernorte wie Labore, Seminarräume oder Maschinenparks und Anlagen könnten von Studierenden und Auszubildenden gleichermaßen genutzt werden. Die Projektpartner sind sich einig: „Gute Ausbildung ist die DNA unserer Wirtschaft, da können wir nicht mehr in Kästchen denken, dafür müssen wir unterschiedliche Bildungsformate verzahnen und voneinander lernen.“
Vier Jahre werden die Akteure, die in Summe ca. 7 Millionen Euro beantragt haben, gemeinsam daran arbeiten, berufliche und akademische Bildung zusammenzubringen und gemeinsame Lernformate zu entwickeln, die das Beste aus beiden Systemen aufgreifen.

Das Video zur Gesprächsrunde mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek finden Sie auf der Seite:
www.inno-vet.de/de/karliczek-trifft-die-innovet-projekte-teil-2.html

Gefördert als InnoVET-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

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